Freiwirte, also Menschen die der Meinung sind, dass man die Unmenschlichkeit unseres real existierenden Kapitalismusses dadurch bekämpfen könnte, dass man den Zins verbietet bzw. »rostendes Geld« einführt, dass an Wert verliert, sind in linken Kreisen meist nicht gut beleumdet. Ihnen wird Rechtsoffenheit vorgeworfen, sobald sie mal für NPD-Zeitungen schreiben oder in der Nazi-Kaderschmiede Collegium Humanum referieren und wenn sie es nicht tun, dann wirft man ihnen Verkürzte Kapitalismuskritik vor. Wer soll sowas kompliziertes denn Verstehen? Freiwirte sicher nicht. Darum kommt jetzt Freiwirtschaftskritik für ganz Doofe:
Verlagern wir unser Beispiel auf die Ebene des Mittelstandes, wo noch jeder mitkommt. Der Herbst ist da, die Blätter fallen von den Bäumen und der Eisdieler Guiseppe macht seine Eisdiele zu. Er hat über den Sommer genügend Geld eingenommen um den Winter zu überstehen und im Frühling neue Zutaten zu kaufen. Doch soll er das Geld jetzt unter das Kopfkissen legen? Früher, bevor die Freiwirte kamen trug er es zur Bank und bekam es im Frühling mit Zinsen wieder. Über den Winter wurde es dann beispielsweise dem Maronen-Toni geliehen, der davon seine Esskastanien kaufte. Von den dabei fließenden Zinsen lebte dann der Sparkassen-Klaus. Aber das ist ja jetzt vorbei.
Nach Freiwirtschafterlogik würde jetzt der Guiseppe das Geld dem Maronen-Toni zinslos in die Hand drücken, damit es ihm über den Winter nicht wegrostet. Aber so idealistisch ist er nicht. Er kauft von dem Geld lieber einen Gutteil der Esskastanienernte auf, lagert sie im Keller ein und verkauft sie dem Maronen-Toni dann im Januar wenn der Rest von der Kastanienernte verarbeitet ist und die Preise steigen. Ist nicht nett, aber schließlich haben die Freiwirte ja nur den Zins und nicht den Kapitalismus abgeschafft.
Hoppla, kommt einem das nicht bekannt vor? Ernte aufkaufen. Lebensmittelspekulationen. Klar, das ist doch eine der Sachen die beim nicht mehr durch Kensianische Kapitalismus-vor-sich-selber-Retter_innen gebändigten Kapitalismus rauskommen, was doch die Freiwirt_innen eigentlich verhindern wollten. Ja, ist schon Scheiße, wenn Leute ihr rostendes Schwundgeld unbedingt loswerden wollen und damit irgendwelche Finanzmärkte stürmen.
Ergo braucht man dann auch keine Kenntnis von gesamtkapitalistischen Zusammenhängen um Freiwirte scheiße zu finden. Selbst ein noch so vulgärer Occupist sollte dazu in der Lage sein.
Um so erstaunlicher, dass sich die Freigeld-Tauschkreise nach dem entgültigen Aussterben des »linken NSDAP-Flügels« um Otto Strasser fest im bauchlinken grün-idealistischen Attac-Milieu festgesetzt haben.
Vielleicht hat es ja auch was mit der Redensart »Nenne niemanden einen Idioten – leih dir Geld von ihm« zu tun. Natürlich zinslos.